
Mitten in Köln - Ein Teil der Delegation des ÖRK: Thomas Yonker (USA), Aikaterini Pekridou (Griechenland), Erzbischof Bernard Ntahoturi (Burundi), Georges Lemopoulos (stellv. Generalsekretär ÖRK) und Barbara Rudolph (Geschäftsführerin ACK) (v.l.)
ÖRK
Frieden schon in den Schulen lernen
Sechs ganz und gar lebendige Briefe, Projekte zur Überwindung von Gewalt und der Präses der rheinischen Kirche: Im Rahmen der Aktion "Living Letters" kamen Menschen aus ganz unterschiedlichen Kirchen zusammen. Mit einem Ziel: Die Überwindung von Gewalt.Das Projekt "Weißt Du, wer ich bin?" und die Kölner Friedensverspflichtung
In der evangelischen Melanchthon-Akademie in Köln stellten Hannelore Bartscherer, Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, und Sonja Sailer-Pfister, Referentin des Stadtdechanten Johannes Bastgen, die Initiative „Weißt Du, wer ich bin?“ vor. Das bundesweite Projekt der großen christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinden wurde 2004 angestoßen und will Neugier für die jeweils anderen Religionen wecken sowie Vorbehalte überwinden helfen. In Köln kam es dann auch zur Unterzeichnung der „Kölner Friedensverpflichtung“, die über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Die Botschaft ist eindeutig: „Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen. Unsere Religionen zielen auf ein friedliches und konstruktives Zusamenleben aller Menschen gleich welcher Religionszugehörigkeit. Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar: die Würde eines jeden Kindes, jeder Frau und jedes Mannes.“
Wir sind hier, um zuzuhören und zu lernen
Georges Lemopoulos, stellvertretender Generalsekretär des ÖRK und einer der "lebendigen Briefe", zeigte sich beeindruckt vom friedlichen Miteinander der Religionen in diesem Projekt. „Wir sind hier, um zuzuhören und zu lernen. Das ist ein wichtiger Schritt für das ökumenische Miteinander. Hier sehen wir, was andere tun für Gerechtigkeit in der Welt.“ Lemopoulos verwies aber auch darauf, wie wichtig auch im Kölner Prozess die Stellung von Minderheiten sei. „Ein sehr guter Hinweis“, so Pfarrer Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie und Ökumenepfarrer des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Man dürfe sich nicht ausruhen auf der Friedensverpflichtung, sondern müsse immer weiter Gruppen suchen, die sich darauf einlassen.

Begrüßten die Delgierten des ÖRK: Erzpriester Dr. Merawi Tebege von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland; Präses Nikolaus Schneider (EKiR), Dr. Stephan Ackermann, Weihbischof aus Trier, und Gertrud Casel von Justitia et Pax (v.l.)
Am Sonntag Abend stellten Mitarbeitende kirchlicher und ziviler Friendsdienste ihre Arbeit vor. Sehr eindrücklich berichtete Katharina Schilling, die derzeit im „Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz“ tätig ist, von ihrem zweijährigen Aufenthalt in Sierra Leone kurz nach dem Bürgerkrieg. Hier hätten beispielsweise Mediationen bei der Verarbeitung der Gewalterfahrungen geholfen. Allerdings sei die konkrete Arbeit vor Ort sehr schwierig. Alle Beteiligten forderten ein Umdenken in der Politik. Es müssten erheblich mehr finanzielle Mittel in die zivile Konfliktbearbeitung fließen.
Bereits in den Schulen die Basis zur Überwindung von Gewalt legen
Das Programm führte die „Living Letters“ am Tag darauf in das katholische Maternushaus. Dort wurden sie neben vielen anderen Vertretern von Kirchen und christlichen Organisationen von Dr. Stephan Ackermann, Weihbischof aus Trier, und Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, begrüßt. Diesmal ging es um den „Einsatz der Kirchen Deutschland für weltweite Gerechtigkeit“. Schneider erinnerte daran, dass Gewalt in der Welt Realitität sei. Viele Regierungen nutzten Gewalt, um ihre Ziele zu erreichen. Der Präses begrüßte vor allem die beispielhaften Projekte mit Kindern in Deutschland im Rahmen der "Dekade zur Überwindung von Gewalt". „Wir müssen bereits in den Schulen die Basis legen zur Überwindung von Gewalt. Die Kinder sollen lernen, wie sie ihre persönliche Wut lenken in Konfliktlösungen unter Ausschluss von Gewalt.“ Beschämend nannte der Präses das Gefangenenlager von Guantanamo. „In einem müssen wir ganz klar sein: Es darf keine Folter geben, niemals, no way.“
Von Jugendlichen lernen
Lemopoulos, der als Christ in der Türkei aufgewachsen ist, unterstützte Schneider: „Es ist hervorragend, Jugendliche anzusprechen. Ich habe mal ein armenisches Mädchen getroffen, das mir erklärte, es sei vollkommen falsch, generell über die Türken zu reden. Es kann auch den Älteren helfen, Jugendlichen zuzuhören.“ Erzbischof Ntahoturi stellte die Sichtweise der Menschen auf dem afrikanischen Kontinent dar: „Grundlagen für Frieden sind eine Schulbildung, sauberes Wasser und eine Gesundheitsvorsorge für die Familien. Die Ölkrise, die Wasserkrise und die Lebensmittelkrisen sind Quellen von Gewalt.“ Die verschiedenen Aspekte des Gesprächs fasste Gertrud Casel, Deutsche Kommission Justitia et Pax, perspektivisch zusammen: „ Wir müssen solche Zusammenkünfte als Chance begreifen. Dabei will allerdings nicht jeder über theologische Fragen sprechen. Viele sind nicht fähig, über ihren Glauben zu sprechen. Der Dialog muss mit Sätzen beginnen wie ,Ich als Christ, Moslem oder Jude möchte gern...'“.
Stefan Rahmann / mai 01.07.2008
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